Das beste Dosenbier?
Ein Selbstversuch!

Wagemutig traten Adi Lasić und ich zusammen, um das beste Dosenbier in einer wagemutigen Blindverkostung zu finden.

Dosenbier hat in Österreich nicht gerade den besten Ruf. Während manche junge Brauereien wie Bevog oder Bräuhaus 1050 fast ausschließlich in Dosen abfüllen, kennt der Durchschnittskonsument Dosenbier eher von einer negativen Seite. Vermutlich liegt das daran, dass tendenziell Obdachlose, Würststandbesucher und alkoholgefährdete Personen mit „Dousnbier saufm“ verbunden werden.

2015 hat Martin Voigt von ProBier.TV in seinem Blog den „persönliche[n] Versuch einer Klärung“ unternommen, ob der schlechte Ruf der Dose aus einer ökologischen Sichtweise auch gerechtfertigt ist. Geschmacklich gestaltet sich der Versuch schwieriger.

Genau deswegen muss der Versuch (dokumentiert) unternommen werden. Von zwei Profis, die schon so einige Bierverkostungen durchlebt haben.

Dosenbier saufen!

Wurde quasi über Nacht berühmt: Hermann aus Halbenrain
Quelle: tenor.com

Die Ausgangslage

Vorfrage und „Confirmation Bias“

Ich bin Patrick, geborener Steirer aus Bruck an der Mur. In meiner Heimat gibt es den ewigen „Kampf“ zwischen dem Bier mit dem blauen Etikett und dem Bier mit dem grünen Etikett. Obwohl beide zum gleichen niederländischen Konzern gehören, schwört man auf die jeweils „eigene“ Marke und verteufelt die andere.

In unseren Bierverkostungen werde ich oft gefragt, ob ich den Unterschied zwischen diesen Supermarktbieren merken würde. Überzeugt, dass das eher ein Ding der Unmöglichkeit wäre, dachte ich, jedenfalls das Dosenbier in grüner Farbe als mein persönliches Feindbild Nummer 1 erkennen zu können.

Gibt es in einem Lokal nur dieses Bier, greife ich etwa zum Weizenbier, um mich nicht diesem Bier auszusetzen. Kommt es aber doch einmal dazu, dass dieses Bier in meinem Glase landet, tendiere ich dazu, es als Mittel zum Zweck und ohnehin als minderwertig anzusehen. Mit anderen Worten: Mein Confirmation Bias ist bedient.

Aber Adi und mich kann das als Vollprofis ja nicht treffen, oder?
Testen wir unseren eigenen Confirmation Bias!

Das beste Dosenbier? Ein Selbstversuch mit Aufstellung!

Die Aufstellung.
Auf Instagram haben wir unsere Eindrücke festgehalten, selbst Adi (@myeffingbrewery) rechnete mit Null richtigen.

Die Vorbereitung

Ganz klar erfordert ein solches Unterfangen eine unbestechliche Blindverkostung. Zunächst wickeln wir jedes Dosenbier in Alufolie, damit nicht der kleinste Schimmer an Farbe zum Vorschein kommt und das Bier verraten könnte. Die erste Auswahl der Biere wird Adi treffen, der keine Ahnung hat, in welcher Reihenfolge die Biere im Kühlschrank eingeschlichtet sind.

Es erstaunt nicht, dass in Blindverkostungen einige Überraschungen auftauchen. Manche Wirte bedienen sich dieses Confirmation Bias sogar, indem sie Gästen absichtlich ein anderes Bier vorsetzen, um die Reaktionen zu sehen. Nach Aufklärung greifen sie in der Regel zu Erklärungen, wie „so gut war’s eh nicht“ oder „irgendwas kam mir gleich anders vor“.

Im Vordergrund standen bei uns folgende Fragen:

  • Erkennen wir den Bierstil?
  • Erkennen wir die Biere, die wir öfter trinken?
  • Wie schneiden die Biere ab, die als „minderwertig“ verschrien sind?
Bierverkostung als Blindverkostung. Welche Biere werden wir erkennen?

In Alufolie gewickelte Dosen für die Blindverkostung. Unsere Follower trauen uns hier doch mehr zu, als wir selbst.

Der Start

Bevor wir uns dieser Herausforderung stellen, brauchen wir ein Erfolgserlebnis, um mit Optimismus an die Sache zu gehen. Wir öffnen ein eingewickeltes Bier, das uns beiden ganz bestimmt nicht bekannt ist und sich später – völlig überraschend – als Belgian Pale Ale herausstellen wird.

Die Aufstellung in alphabetischer Reihenfolge
Egger, Gösser, Ottakringer, Puntigamer, Schwechater, Stiegl, Wieselburger, Zipfer.

Schon beim ersten Dosenbier merken wir, dass sich die Abgrenzung der Biere untereinander lediglich nuanciert bemerkbar macht. Ist die Hopfennote nicht, sehr schwach oder nur schwach ausgeprägt? Folgt dem ersten süßlich anmutenden Antrunk eine bittere Note im Nachtrunk? Erinnert das Bier an durchzechte Nächte unserer Jugend?

Vielleicht liegt es daran, dass das erste Bier noch ohne vorbelegte Geschmacksnerven untersucht wird. Noch können wir es aber eingehend besprechen, ringen aber nach passenden Worten. Einig sind wir uns darin, es austrinken zu können, ohne es anschließend zu bereuen.

Ich bin sicher: Das kann nicht das Bier der grünen Marke sein. Dafür trinkt es sich zu angenehm.

Die Blindverkostung beginnt mit Craft Bier: Dem Belgier Belgian Pale Ale in der Bierverkostung.

Zum Start ein Dosenbier aus der Flasche, das uns völlig überraschen sollte.

Das große Ratespiel

„Das Bier schmeckt nicht gut, das muss XXXXX sein.“

Acht Biere. Die Wahrscheinlichkeit, alle Biere richtig zu erraten, liegt bei 1 zu über 16 Millionen! Die Mathematik stützt unser Vorhaben, wir müssen uns also intensiv damit befassen.

Leicht war’s nicht – angenehm auch nicht immer. Aber wenn wir uns etwas in den Kopf setzen, dann ziehen wir das auch durch. Bier nach Bier wurden unsere Beschreibungen immer ähnlicher. Malzbetont, geringe bis nicht wahrnehmbare Hopfennote, wässriger Charakter, gerade noch zu erahnendes Karamell und Brot. Die Farben von strohgelb über gold zu goldgelb und „etwas dunkleres gelb, aber noch nicht so dunkel wie Nummer 3“.

Die Abschlussnotizen der Dosenbiere reichen von „horrible“ (1* Durchschnittswertung) oder „wirklich nicht mein Bier“ bis hin zu „echt gut, kann man durchaus trinken“ (4* Durchschnitt). Gegen Ende wird das Schriftbild schwerer nachvollziehbar, die Sternebewertung dient als aussagekräftigstes Instrument.

Ein kleiner Funken Hoffnung keimt auf, als plötzlich ein lauter Knall in der Wohnung ertönt – eine Maroni explodiert im Backrohr und hinterlässt das eigene Innenleben im Innenraum des Ofens. Dass eine Blindverkostung zu einer derartigen Gefahr avanciert, war uns wahrlich nicht bewusst.

Die Dosenbier Blindverkostung Bierverkostung, Craft Bier ganz anders und ohne Craft.

Gravierende Skepsis, die sich in Adis Gesicht breit macht.

Das Ende

Selbstverständlich merken wir, wie wir mit jedem Bier auch immer ein wenig lustiger werden. Genau das macht Alkohol auch nicht ganz ungefährlich, wie wir in einem unserer Blog-Beiträge auch schon ausgeführt haben.

Nachdem wir die acht Biere nacheinander verkosten, holen wir sie wieder aus dem Kühlschrank, um zu sehen, ob sich unsere Meinung mit unserer Wertung deckt.

Das erste Dosenbier war gleich die größte Überraschung für uns beide. Gösser hat es von meinem Feindbild zum zweitbesten Bier geschafft, richtig getippt hat das keiner von uns.

Bier Nummer 2 war nicht minder überraschend, gilt diese Marke doch als „der Kompromiss“ unter allen Biertrinkern. Aber Wieselburger konnte wahrlich nicht überzeugen und landet nur auf dem vorletzten Platz. Adi hat das Bier dennoch erkannt.

Nur ganz knapp nicht auf’s Stockerl gebracht hat es Schwechater. Wieder einmal zeigt sich in einer Blindverkostung, dass der Erfinder des Wiener Lagers seinen eher schlechten Ruf nicht verdient.

Nummer 4, das Bier, das Adi „ganz gern in Oberösterreich trinkt, entpuppt sich als Klischeebestätigung. Billig und gut passt nicht zusammen. Egger landet – out of courtesy – nicht in der Wertung. Meine Kostnotiz „schmeckt billig“ hat mir einen richtigen Tipp eingebracht. Es steht 1 zu 1.

Adi hatte weniger Vertrauen in uns, als der Rest der Instabubble :O

Fazit

Das fünfte Dosenbier konnte uns beide völlig überzeugen. War es in meiner Jugend noch das „Wiener Abwaschwasser„, hat sich dessen Image in meiner Heimat wenig verändert, der Geschmack hingegen komplett. Das Bier wurde mit dem European Beer Star 2016 ausgezeichnet – das Ottakringer Helles. Auch bei uns landet es auf dem ersten Platz und bringt mir den zweiten Punkt ein. Es steht 2:1 für mich.

Bei diesem Punktestand sollte es auch bleiben. Ein bloß akzeptables Puntigamer (Bier #6), ein überraschendes Stiegl (Bier #7 auf Platz 3) und ein sehr schwaches Zipfer (Bier #8) konnten Adi nicht in Führung bringen.

Es war ein sehr spannendes Experiment, das einiges an Kraft gekostet und viele Erkenntnisse gebracht hat. Wir wissen jetzt, dass unser Confirmation Bias unsere Bierwahl definitiv beeinflusst und ein Markendenken – oft zu Unrecht – besteht.

Mit einer Ausnahme: Ottakringer hat sich bewährt. Schampo, Tobias und Silvan, Shampo!

Eine Blindverkostung Bierverkostung österreichischer Dosenbiere, die es in sich hat.

Die Freude in den Gesichtern spiegelt weniger das Resultat, als die Opfer im Namen der Wissenschaft wieder.

Nachsatz

Es war zwar ein außergewöhnliches Erlebnis, das wir uns schon lange vorgenommen haben. Viel mehr haben wir uns aber auf das Danach gefreut: Der Gewinner zahlt eine Flasche von Alefrieds Wilder Marille (danke Adi :D), um das Geschehene besser verarbeiten zu können. Es folgten hopfenintensive Biere und Imperial Stouts. Diese Abwechslung hatten wir nach den 8 „Einheitsbieren“ dringend nötig.

Es zeigt sich: Was früher die Regel war, ist heute die Ausnahme und vice versa. Früher waren große Mengen an Dosenbier zum kleinen Preis das Nonplusultra. Heute achten wir vielmehr auf Qualität, die Brauerei, die Geschichte, den spezifischen Geschmack und die Emotionen hinter dem Bier.

Der Preis spielt da eigentlich nur mehr eine untergeordnete Rolle. Wie immer gilt: Schmecken muss es.

Dir. Nicht Deinem Confirmation Bias.

Nur Dir.

Das Endergebnis zeigt: Ottakringer schneidet am besten ab, gefolgt von Gösser und Stiegl. Beides an sich Brauereien, die den Verkostern nicht gerade als die Premiummarken im Gedächtnis sind.

Und Du?

Hast Du schon einmal eine Blindverkostung gemacht? Was waren Deine Erfahrungen? Schreib uns doch in einem Kommentar, wie das für Dich war.

Disclaimer

Auch wenn es selbstverständlich sein sollte, möchten wir nochmals an den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol erinnern.

Darum: Kenne Deine Grenzen und respektiere es, wenn jemand keinen Alkohol trinken möchte. Mit den richtigen Leuten  machen auch Smoothies enormen Spaß 😉

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